Sunviva und Ihre wuchsfreudigen Schwestern

Sunviva ist der Name einer ganz besonderen Tomatensorte. Ihr und ihren schönen Schwestern bin ich im März beim Tomatenkurs von Irene Lötscher zum ersten Mal begegnet.

Gerade noch rechtzeitig, bevor alles andere abgesagt wurde, trafen sich nämlich einige Interessierte unseres Vereins Offenes Gärtnern in Frauenfeld, um sich inspirieren zu lassen.

Unsere Kursleiterin kommt aus Wagenhausen am Rhein. Sie gibt für Bioterra Kurse und ist im Netzwerk von ProSpecieRara. Jedes Jahr zieht sie selbst ca. 35 Tomatensorten an. Das sind vor allem seltene Sorten, wie z.B. Sunviva, welche im Freiland (ohne Schutz!) wächst und sehr üppige Erträge von gelben Cherrytomaten bringt.

Zum Sortiment gehören auch mittelgrosse Sorten und Fleischtomaten. Alle sind samenfest, können also problemlos nachgebaut werden.

Irene Lötscher führte uns souverän und abwechslungsreich durch das Tomatenjahr, welches bereits im März mit der Aussaat beginnt. Ganz praktisch führte sie uns alles vor.

Hier ist eine kurze Zusammenfassung:

Zu beachten ist, dass zuerst in nährstoffarme Aussaaterde gesät wird, um die Wurzelbildung der Pflänzchen zu fördern. Staunässe mögen Tomaten nicht.

Sobald die ersten Laubblätter zu sehen sind, werden die Pflänzchen in grössere Gefässe (beschriften nicht vergessen!) umgesiedelt. Das Pikieren bzw. Umtopfen sollte man bei sämtlichen Nachtschattengewächsen möglichst an sogenannten Fruchttagen (siehe Aussaatkalender von Maria Thun) vollziehen; gern in nährstoffreiche Gemüseerde und recht tief, damit die Stängel kräftig werden. Auch zartes Streicheln fördert die Stabilität der Pflanzen. Kein Scherz!!

Betragen die Tagestemperaturen mehr als 10°C, sollten die Pflanzen an der frischen Luft abgehärtet werden. Aber Achtung: Direkte Sonne verursacht zu Beginn schnell einen Sonnenbrand!

Nach den Eisheiligen kommen sie ins Freie an ihren endgültigen Standort. Ostsonne trocknet den Tau schnell, sonnige Standorte sind ideal. In das Pflanzloch von 15 cm wird die Pflanze quer hineingelegt. Dazu kommen noch ein Brennnesselzweig, Hornspäne und Komposterde.

Im Juni pflegt man die Pflanzen, indem braune Blätter entfernt, die Triebe hochgebunden, Zwischentriebe ausgegeizt werden. Alle 2-3 Wochen verabreicht man Flüssigdünger (Brennnesseljauche im Verhältnis von 1:10 oder Bioflüssigdünger). Wichtig ist die Kalzium-Versorgung, z.B. mit Algenkalk und Gesteinsmehl gegen Blütenendfäule.

Das erste Saatgut gewinnt man praktischer Weise von den ersten vollreifen Früchten. Auf dem beschrifteten (!) Haushaltspapier trocknen die Samen der jeweiligen Sorte und können anschliessend mit dem Papier im Plastiksäckchen eingefroren werden. So bleiben sie 5-10 Jahre keimfähig.

In den nächsten Wochen stehen das Ernten und Geniessen im Vordergrund. Grüne Tomaten reifen bei Zimmertemperatur noch nach und lassen sich gut zum Kochen verwenden.

Um uns so richtig Lust auf all die feinen Sorten zu machen, zeigte Irene uns noch Bilder der herrlichen Paradies-Früchte. Uns lief regelrecht das Wasser im Mund zusammen...

Anschliessend durften wir selbst säen. Dazu hatten wir ja unsere Pflanzgefässe mitgebracht.

Die meisten der 31 (!) mitgebrachten Sorten hatten absolut wohlklingende Namen, wie

  • Vesuvio (eine traubenbildende Lager-Cherrytomate aus dem Hause Zollinger),

  • Gelbe von Thun (gelbe, milde Sorte, welche von selbst versamt),

  • Schwarze von Schaffhausen (mittelgross, wechselt ihre Farbe von grün zu rot zu schwarz),

  • Froschkönigs Goldkugel (gross, gelb, festes Fleisch und aromatisch sowie süss im Geschmack),

  • Black Pear (schwarz-violett und birnenförmig, länglich, sehr süss),

  • Ananastomate (stark gerippt in rot-organe-gelb, Fruchtfleisch marmoriert, sehr aromatisch, gedämpft ein Traum), usw.

Wir wuselten um die Tische herum, sammelten begeistert die winzigen Sämchen vom Küchenpapier und drückten sie voller Vorfreude in die frische Erde.

So machte das Lernen richtig Spass!

Irene führt mit uns seit diesem informativen Abend einen „Tomaten-Chat“. Wir erhalten zeitnah Tipps zu den richtigen Pflanztagen oder zum Ansetzen von Brennnesseljauche.

Dabei stellten wir fest, dass die Sorte Sunviva bei uns allen nicht keimen wollte. Wir wurden ermuntert, sie weiterhin zu giessen. Und siehe da: Sie brachte dann doch noch Pflänzchen hervor!

Geduld ist auch beim Gärtnern eine Tugend...

Sunviva (kleiner brauner Topf) und andere Tomatensorten (Fotos Ulrike Müller).

Unsere Tomatenpflänzchen dürfen an den nächsten Fruchttagen (20./21.5.) endlich ins Freie.

Für den Gemeinschaftsgarten hat Lisbeth jede Menge dieser seltenen Sorten gesät und gepflegt. Sie stehen demnächst im Tomatenhüsli.

In die Hochbeete des Burstelparks kommt auch eine Sunviva. Sie soll ihren Schwestern nacheifern und prächtig wachsen. Dann freuen sich hoffentlich viele Besucher über die aromatisch-gelben Kirschtomaten in Massen.

Mir hat dieser Tomatenkurs richtig gut gefallen, ich habe viel gelernt, konnte unglaublich viele Sorten entdecken, aussäen und weitergeben. Toll finde ich auch die nachträgliche Betreuung. Irene hat extra für uns sogar noch einige Pflänzchen von Sunviva gezogen!

Wenn ihr gern weitere Infos hättet, gibt euch die Fachfrau Irene Lötscher gern Auskunft.

Sie bietet übrigens auch Flecht- und Wildkräuterkurse in ihrem wunderschönen Kursraum in Wagenhausen an, bzw. momentan online. www.muehleraum.ch.

Eine fröhliche und ertragreiche Gartensaison

wünscht euch Ulrike

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