Urtica dioica Brennnessel

July 3, 2019

Nessle, Feuerkraut, Prickelblume, Söuw-Nessle, Donnernessel, Hanfnessel, Tausendnessel

 

‚Hinters Hasefranze Hasehuus

goht ä Maa und schiist.

Nimmt es Hämpfeli Nesslä,

uuh, das biisst!

 

Hät er d’Chrütli besser kennt,

hät er’s Füdeli nid verbrennt!‘

 

Ein sinniger Kinderreim, der auf die Notwendigkeit guter Pflanzenkenntnisse hinweist!

Denn wer hatte sie nicht, die unliebsamen Begegnungen mit der Brennnessel. Auch ich erinnere mich an mindestens einen Sturz in die Nesseln. Und damals konnte ich den Folgen nichts, aber rein gar nichts abgewinnen. Es hat einfach nur saumässig gebrannt.

Die heute fast überall vorkommenden Springkräuter, gab es damals noch nicht so häufig. Wäre ihr Saft doch das ideale Gegenmittel gegen den brennenden Schmerz gewesen.

Auch von den Flagelationen (Peitschungen), mit denen sich Rheumakranke teilweise behandeln, wusste ich nichts.

Was ich aber wusste war, dass man Bibbeli zur Aufzucht kleingeschnittene Brennesseln verfüttert. Und dafür waren wir Kinder zuständig.

Alle Tricks haben wir ausprobiert, um nicht gestochen zu werden.  Die Luft anhalten, von unten anfassen, nur die ganz kleinen nehmen, die angeblich noch nicht stechen und und und. Wohl jede Region hat wieder ihre spezifischen Taktiken.

Funktioniert hat bei mir alles nichts und ich bekam immer die schönsten Ausschläge.

Heute weiss ich um die fast unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten der Nesseln, und meine Ehrfurcht vor dieser Pflanze ist sehr gross.

Die Pflanze war natürlich den alten Griechen nicht unbekannt.

Pfarrer Künzle war um ihre Wehrhaftigkeit sehr froh. Befürchtete er doch, dass sie ohne ihre Stacheln längst ausgerottet wäre, so vielseitig ist ihr Anwendungsgebiet.

Wie viele andere, war auch die Brennnessel eine wichtige Orakel- und Schutzpflanze.

Zu bestimmten Zeiten räucherte man Stall und Haus aus, um Krankheiten abzuwehren.

 

Man konnte mit ihr auch feststellen, ob ein Kranker überleben oder sterben würde. Dazu goss man den Urin des Kranken über eine Nessel. Überlebte die Pflanze, überlebte auch der Mensch seine Krankheit.

Alles von der Brennnessel kann man verwenden.

Haarwasser aus den Wurzeln kauft man heute noch. Nicht nur der Haarwuchs wird mit Brennnesselwurzeln angeregt, sondern auch die Ausschwemmung der Nieren.

So eignet sich die Nessel ausgezeichnet für eine Frühjahrskur. Sie hat, wie so viele andere sogenannte Unkräuter, eine nicht zu bremsende Vitalität.

Ihr hoher Kalziumgehalt, ihre reichlich vorkommende Kieselsäure, verschiedenste Vitamine, Gerbsäure, Eisen, Magnesium und noch viele andere Inhaltsstoffe, machen sie zu einer hoch potenten Heilpflanze.

Ganze Bücher sind über sie geschrieben worden und doch ist sie heute für viele nur noch ein lästiges, unausrottbares Unkraut.

An meinen Kursen empfehle ich immer, so früh wie möglich im Leben, regelmässige Brennnesselkuren zu machen. Im Frühjahr angefangen mit den jungen Sprossen, liefert die Nessel bei regelmässiger Ernte laufend Gratisgemüse. Im Herbst dann sind die Samen erntereif und man sollte soviel wie möglich gewinnen, um einen genügend grossen Vorrat davon zu haben. Gerade die Samen sind reich an sogenannten Phytohormonen.

Früher nutzten Pferdehändler dies, um alte Mähren wieder zu einem glänzenden Fell zu verhelfen und sie feuriger werden zu lassen.

Meine Katzen fressen ihre Näpfe ratzeputz leer, wenn ich ihnen Brennnesselsamen ins Essen mische. Offenbar merken sie, dass ihnen das gut tut.

Ich könnte ein ganzes Buch schreiben, aber an dieser Stelle möchte ich doch auf die vorhandene Literatur hinweisen:

‚Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor‘ von Wolf-Dieter Storl, Medizin der Erde‘ von Susanne Fischer-Rizzi oder ‚Zauberpflanzen Hexenkräuter‘ von Gertrud Scherf.

 

Rezepte

Haartinktur

Eine Hand voll Brennnesselwurzeln sehr klein schneiden und mit Obstessig überdecken. Drei Wochen stehen lassen und täglich schütteln.

Durch einen Strumpf sieben und gut ausdrücken.

Nach dem Haare waschen mit Brennnesselessigwasser spühlen.

 

Brennessel - Gierschfrikadellen

2 Tassen Haferflocken in Milch einweichen.2 Handvoll Brennnesseln und 1 Handvoll Giersch in Wasser weichkochen. Giersch etwas später beigeben, da er schneller weich wird. Alles abgiessen und klein hacken. 1 kleingeschnittene Zwiebel braun rösten und abkühlen lassen. Haferflocken, Gemüse und Zwiebel mit einem Ei gut vermischen. Mit Muskat, Origano, Majoran und Salz würzen.

Falls die Masse zu dünn ist, etwas Mehl beigeben. Frikadellen formen, in Mehl wenden und in Öl goldbraun backen.

 

 

 

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