Ranunculus ficaria Scharbockskraut

April 8, 2019

Feigwurz, Glitzerli, Uffertsblüemli, Goldblüemli, Sterneblueme, Gänsfüssle, Feigwartzenkraut, Pfaffenhödlin, Erdgerste, Mäusebrod, Zigeunersalat, Pfennigsalat, Bettlerkraut

 

‚Gott schuf das Scharbockskraut. Indessen

den Bock dazu hat er vergessen,

weshalb das Kraut zwar grünt und spriesst,

jedoch vergebens,

weil niemand kommt, der es geniesst.

(Ein Inbegriff verfehlten Lebens.)‘

 

Das schrieb Karl Heinrich Waggerl in seinem heiteren Herbarium.

 

Den vielen hübschen Namen nach, müsste dies Kraut sehr beliebt sein beim Volk. Nur ist dem nicht mehr ganz so. Stunden um Stunden werden investiert, um es im Garten auszurotten. Und es gibt tatsächlich Gärtner, die das auch schaffen.

Es ist aber kein einfaches Unternehmen, denn das Scharbockskraut bildet in seinen Blattachseln viele kleine Brutknöllchen, die beim Jäten wieder abfallen. Und schwups, hat man sie anstatt ausgejätet, ausgesät.

Dabei sagt schon der Name dieses Krauts, dass es einst angesehen war. In früheren Zeiten, als im Winter noch Not an frischem Gemüse herrschte, litten die Menschen oft unter Vitamin C Mangel. Skorbut war die Folge oder eben ‚Scharbock‘! Und um diesen Scharbock zu vertreiben, ass man im zeitigen Frühjahr das Scharbockskraut, welches sehr reich an Vitamin C ist.

Der Name ‚Erdgerste‘ weist einmal auf die Form der Wurzeln wie auch die der Brutknöllchen hin, aber auch darauf, dass man in Notzeiten beides getrocknet, gemahlen und damit das Mehl gestreckt hat.

Die Verwendung bei Hämorrhoiden leitet sich ebenfalls von der Form der Wurzeln ab. Hämorrhoidenähnlich, mussten sie gegen dieses Übel wirken. Fuchs schreibt 1543: ‘Das Kraut und Wurtzel grün zerstossen und übergelegt, heylt und vertreibt die Feigblatern.‘

Eine andere etwas ungewöhnliche Anwendung, das Dampfbad, findet man noch heute in manchen Büchern beschrieben.

Die ätzende Wirkung des Krautes nutzten die Bettler. So schreibt Tabernaemontanus 1613 über die scharfen Eigenschaft der Hahnenfussgewächse: ‘Die Landstreicher und Bettler, so auss Faulheit des Bettelns gewohnet, etzen ihnen die Schenkel mit diesem Kraut auff, damit sie die Leuth betriegen, darmit sie als vor bresthafftige Leuth gehalten, desto mehrer Gelt sammeln mögen.‘

Das Scharbockskraut ist eigentlich ein idealer Bodenschutz, gerade unter Beeren. Im Frühling, wenn es noch kalt ist, schützt es den Boden mit seinen Blättern und gibt uns erst noch den ersten Salat. Seine Knospen lassen sich in Essig eingelegt, wie Kapern verwenden.

Treiben die Beeren so richtig aus, verschwinden die Glitzerli allmählich. Und bereits im Juni ist davon praktisch nichts mehr zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

Rezepte

 

Die Blätter (vor der Blüte) unter Salat, in Frühlingscocktail, Suppen oder Wildspinat mischen.

 

Wildkapern

Scharbockkrautknospen sammeln und in ein kleines Glas geben. Mit heissem Essig übergiessen und über Nacht stehen lassen. Essig in eine Pfanne schütten, nochmals aufkochen und wieder über die Knospen giessen.

Glas gut verschliessen und 14 Tage ziehen lassen.

 

Dampfbad bei Hämorrhoiden

100g Pflanzen mit 1 Liter kochendem Wasser übergiessen.

Topf unter einen Stuhl mit gelochter Sitzfläche stellen. Mit einem grossen Frottetuch Stuhl und Unterkörper gut einwickeln, damit der Dampf am richtigen Ort einwirken kann.

 

 

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