Rumex obtusifolius (Blacke)

October 3, 2018

 

 

Blätschgä, Stumpfampfer, grosser Ampfer, Grasfresser, Soiblacke, Blutze, Mistblacke, Rossblacke, Dittiblacke, Ankeblatt, Buchwehchrut, Fiebersame, Mälcher-Tschäppel

 

 

Die Blacke, das Horrorunkraut der Bauern. Wo immer ich auf einer Pflanzenexkursion bei den Blacken stehen bleibe, geht ein Aufschrei durch die Reihen. Auch wer keine Pflanzen kennt, die Blacke ist allen bekannt. Natürlich als schrecklichstes, aller schrecklichen Unkräuter.

Auch ich in meinen Berufsanfängen, war nicht begeistert vom Kräfteaufwändigen Blacken jäten. Es ist nicht verwunderlich, dass es ein spezielles Arbeitsgerät gibt, um diese Pflanze auszumerzen, den so genannten Blackenstecher. Bestehend aus zwei Eisenzinken, die vorne etwas auseinander gehen, begrenzt durch eine dicke Holzleiste. Auf die sind wir jeweils mit Anlauf gesprungen, um die Eisen so weit wie nur möglich in den Boden zu treiben.

Doch aller rohen Energie zum Trotz, kaum eine Wurzel brachten wir wirklich mit Stumpf und Stiel aus dem Erdreich. Und wie frustrierend war es doch zu wissen, dass das kleine übrig gebliebene Teilchen der Wurzel, wieder zur vollen Pflanze wachsen würde.

Dass die Blacke, eine so genannte Hackfrucht, eigentlich Medizin für unseren Boden ist, weiss ich erst seit ein paar Jahren.

Wird Land bearbeitet, keimen sofort allerlei Hackfrüchte, die den nackten Boden wieder bedecken und seine zerstörte Struktur regenerieren möchten. Die Blacke, die sehr tief wurzelt, ist dafür zuständig, dass der Boden schön locker bleibt. Im Zeitalter der riesigen Landwirtschaftsmaschinen, wird der Boden immer mehr verdichtet. Dazu kommt, dass zur

Ertragserhöhung reichlich Stickstoff gedüngt wird, was zur Folge hat, dass die Böden meist einen Stickstoffüberschuss aufweisen. Die Blacke hat nun nicht nur die Fähigkeit den Boden zu lockern, sondern auch den überflüssigen Stickstoff zu binden. Sie ist im eigentlichen Sinne zur Ärztin unserer Böden geworden. Die Bauern danken es ihr nicht, sondern vergiften sie, oder stechen sie aus, wo und wann immer sie können.

Stickstoff ist von der Energie her Hitze. Damit die Blacke diese überleben kann, muss sie ein entsprechendes Kühlsystem haben.

Fassen Sie bei hoher Tagestemperatur einmal so ein Blackenblatt an und Sie werden erstaunt sein, wie kühl es ist. Diese Kühle können wir nutzen. Sie macht die Blacke zu einem der besten Notfallmittel für Unterwegs, einem pflanzlichen Eisbeutel sozusagen.

Wie oft erwischt man grad auf Wanderungen einen Sonnenbrand. Wenn er spürbar ist, ist es für eine neue Ladung Sonnencrème bereits zu spät. Keine Sorge! Von nun an kühlen Sie Ihre überhitzte Haut mit ein paar Blackenblätter ab. Sind Sie in den Alpen und haben den Sonnenhut vergessen, ist auch das kein Problem mehr. Die Alpenblacke ist gross genug, um als Hut getragen zu werden. Und im Gegensatz zum Hut, ist einem wirklich kühler auf dem Kopf. Kopfschmerzen von zuviel Sonne, ein Blackenblatt auf die Stirne, je eines an jeden Fuss und schon verzieht sich die Hitze. Zu neue Schuhe für die grosse Wanderung bringen in kurzer Zeit Blasen. Die lassen sich verhindern, indem man ein Blackenblatt auf die Ferse legt und dieses so oft als möglich ersetzt. Denn wo die Hitze gekühlt wird, kann sich keine Blase bilden. Ein Tipp, um den jeder Rekrut froh wäre.

Wer sich den Fuss verknackst, legt sich einen Umschlag aus Blackenblätter um den Knöchel. Wer hat schon immer einen Eisbeutel dabei, wenn er einen braucht. Die Blacke ersetzt ihn vollwertig. Und angewendet wird sie genauso.

Wenn einem die Mücken gefressen haben und es juckt so grässlich, lohnt es sich einen Vorrat an Blackenbalsam zu haben. Denn Mückenstiche sind rot und rot ist Hitze. Wo die Hitze weicht, verschwindet auch das Jucken.

Gerade ältere Menschen haben oft Wasser in den Knien. Auch da können regelmässige Blackenumschläge Abhilfe schaffen. Das tönt fast zu einfach, aber wenn die Entscheidung zu fällen ist, Punktion oder Umschlag, würde ich immer zuerst das angenehmere wählen. Punktieren kann man immer noch, falls es nötig ist.

Dass die Blacke eine wunderbare Pflanze für die Bauern ist, zeigt auch ihre Wirkung in Form von Samentee. Kälber vertragen das fette Gras oft schlecht und reagieren mit Durchfall. Blackensamentee ist ein sehr schnell wirkender Durchfalltee, der auch bei uns Menschen seinen Dienst tut.

Natürlich ist auch die Wurzel zu Heilzwecken zu verwenden. So wie die Blätter kühlen,  wärmt die Wurzel und kann in Form von wässerigen Auszügen überall gebraucht werden, wo es an Wärme mangelt.

Mancherorts werden die jungen Blackenblätter auch in der Küche verwendet. Für mich ist sie ein Heilmittel und zwar eines meiner liebsten. Kulinarisch reizt sie mich nicht besonders, aber das ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Eine Gruppe von Frauen, die eine Kräuterwoche mit mir verbracht hatten, waren am Ende so begeistert von dieser Pflanze, dass sie eine Petition starten wollten zum Schutze der Blacken!

Die Bauern würd’s nicht freuen.

 

 

Rezepte

 

Blackenbalsam

Blackenblätter fein verzüpfeln und in ein Gefäss mit Olivenöl geben. Das Öl im Wasserbad erwärmen und die Blätter bei gelegentlichem Rühren ca. 6 bis 8 Stunden ausziehen.

Öl absieben. Einen Zehntel Bienenwachs (z.B. 1dl:10g) abwägen und im  warmen Öl schmelzen. In kleine Töpfe füllen und über Nacht, mit Haushaltpapier bedeckt, auskühlen lassen.

 

Blackensamentee

2 Esslöffel Blackensamen in 1l kaltem Wasser ansetzten, aufkochen und ca. 20 Minuten ziehen lassen. Für Menschen entsprechen weniger.

 

Blackenumschlag

Einige grosse Blackenblätter in den Händen etwas zerdrücken und als Umschlag auf das Knie oder um den Knöchel legen. Mit einem Tuch befestigen. Bei einem übertretenen Knöchel am Anfang ca. alle 30 Minuten wechseln. Nachher zweimal täglich. Bei Wasserknien zweimal täglich anwenden.

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