Aegopodium podagraria

May 1, 2018

Geissfuss, Baumtropfen, Zipperleinskraut, Podagrachrut, Bodenholunder, Geissleitere, St. Gerhardtskraut, Tuusigbeinli, Wuerchrut,  Schnegge-chrut, Söuchrut, Hölderlichrut

 

Obwohl wir als Kinder oft im Garten jäten helfen mussten, kann ich mich nicht an diese Pflanze erinnern. Auch in meinen Anfangszeiten als Gärtnerin war mir diese nicht bekannt. Ist es doch ein Kraut der freien Natur und somit in den Gewächshäusern nicht anzutreffen.

Anders wurde es, als ich die Sparte wechselte und meine ersten Schritte als Wildstaudengärtnerin machte.

Da stand so ein Kraut namens Aegopodium podagraria. Noch immer war es für mich ein Name unter vielen und erst noch ein wohlklingender.

Doch als ich dann ab und zu mit auf die Gartenpflege musste, bekam ich eine Ahnung was es heisst, Baumtropfen zu jäten.

‚Tuusigbeinli‘ scheint mir ein passender Name zu sein, bricht doch jede Wurzel die man vermeintlich ausgegraben hat in tausend Stücke, von denen jedes wieder eine Pflanze bildet. So gehörte ich rasch zum grossen Heer der Baumtropfengegner.

Schreibt sogar Jürgen Dahl, ein Naturgärtner und Autor: „Der Giersch ist eines der Unkräuter, die man auch heutzutage noch mit gutem Gewissen ‚Unkraut‘ nennen darf: Erstens verdrängt und erstickt er jedes andere Pflanzenleben, und zweitens lässt er sich durch keinerlei biologische Massnahmen vertreiben. Wer zu fleissigem Jäten rät, ist entweder ein Schalk oder er kennt den Giersch nicht: Seine zahlreichen weissen Wurzeln brechen wie Glas, und aus jedem kleinsten Bruchstück spriesst schon nach wenigen Tagen ein neues Pflänzchen.“

Das alles hat sich wieder ins Gegenteil gekehrt, als ich anfing mich mit der Wildpflanzenküche zu beschäftigen. Seither gehöre ich zur wachsenden Fangemeinde des Podagrakrautes. Restlos den Ärmel hat es mir reingezogen, seit ich um die Heilwirkung vom ‚Zipperlichrut‘ weiss.

Der Name sagt es vielfach: Dies Kraut ist gegen das Zipperlein, oder die Podagra, was sich sogar im lateinischen Namen zeigt. Podagraria heisst, die Gicht heilen. Und dafür wurde diese Pflanze auch gebraucht, innerlich und äusserlich. Sei es als Bäder, sei es als Tee, als Auflagen und nicht zuletzt als gesunde Speise.

Tabernaemontanus schreibt: „Wiewohl der Geyssfuss ein veracht unnd unachtsam Kraut ist / so hat es doch auch seinen Gebrauch in der Artzney uberkommen / und wird in sonderheit höchlich gelobt zu dem Zipperlein / Gliedsucht und Hüfftwehe. Dessgleichen zu den faulen fiebern in Wein gesotten / unnd morgens und abendts darvon getrunken / oder sonst zun Geträncken gebraucht.

Wider die faulen Fieber sol man die Wurtzel zu Pulver stossen / und darvon ein Quintlein mit Wein darinn Geyssfüsselkraut gesotten worden / etliche tag nacheinander warm trincken und darauff schwitzen.“

Pfarrer Künzle empfiehlt bei hartnäckigem Schnupfen das Inhalieren von Geissfussdämpfen. Bei Zahnweh siedet man das Kraut in Wein und gurgelt mit dieser Flüssigkeit.

Wer also Baumtropfen im Garten hat, soll sich über die Gratismedizin und das immerwährend nachwachsende, wohlschmeckende Gemüse freuen.

Als Wildgemüse ist der Giersch nicht nur delikat, sondern ein wichtiger Lieferant von Vitaminen und Spurenelementen. Birgt doch 100g Geissfuss ca. viermal mehr Vitamin C als 100g Zitrone und eine nicht zu vernachlässigende Menge Betacarotin. Dazu kommen 16.6mg Eisen, 1.9mg Kupfer, 2.13mg Mangan, 1.68mg Titan und 3.9mg Bor.

Ich freue mich jeden Frühling auf die ersten jungen Sprösslinge. Liefern sie mir mit ihrer grossen Vitalkraft, nach dem langen Winter den nötigen Schub in die neue Saison.

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Rezepte

 

Härdöpfel-Überraschig

Pro Person 1-2 Kartoffeln in der Schale knapp weichkochen und leicht auskühlen lassen.

In der Zwischenzeit die Füllung wie folgt zubereiten:

1 kleingeschnittene Zwiebel in Olivenöl anbraten, 2 Handvoll kleingehackten Giersch und eine zerdrückte Knoblauchzehe dazu geben. Ca. 10 Minuten leicht dünsten und nach Bedarf etwas Bouillon zugeben.

 

Vom Herd nehmen und 100g Frischkäse darunter geben. Mit Curry, Salz und Pfeffer abschmecken. 

Kartoffeln kreuzweise einritzen und aushöhlen. Masse in die Kartoffeln füllen, in eine feuerfeste Form geben und mit geriebenem Käse bei ca. 200°C 20 Minuten überbacken.

Serviert mit einem Blütensalat eine Köstlichkeit für Auge und Magen. 

 

Gierschbalsam

Klein zerzupfte Gierschblätter in 110 ml gutem Olivelöl ca. 6 Std. im Wasserbad ausziehen lassen. Ab und zu umrühren.

Masse durch einen Strumpf giessen und gut auspressen. 10 g Bienenwachs dazu geben und nochmal leicht erwärmen, bis das Wachs geschmolzen ist.

In kleine Dosen abfüllen und mit Haushaltpapier bedeckt 24 Std. auskühlen lassen. Gut verschliessen.

Gut gegen Gicht und rheumatische Schmerzen.

 

 

 

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