Allium Ursinum

April 5, 2018

Bärlauch, Ramselen, Rämschelen, Wurmlauch, Waldknoblauch, Hexenzwiebel

 

1910 noch konnte Kräuterpfarrer Künzle die Leute, mit dem Verzehr von Bärlauch, fast zu Tode erschrecken. Die uralte Heilpflanze war so in Vergessenheit geraten, dass sie in der Zwischenzeit ‚giftig‘ gemacht worden ist.

Erst der Beweis, dass Künzle am Leben blieb, überzeugte die Menschen und liess sie den Bärlauch wieder verwenden.

Pfarrer Künzle jedoch lobte das Kraut über alle Massen. „Ewig kränkelnde Leute, solche mit Flechten, Aissen und Ausschlägen, die Skrofulösen und Bleichsüchtigen sollten den Bärlauch verehren wie Gold. Junge Leute würden aufblühen wie ein Rosenspalier.“

Schon die Germanen priesen diese Pflanze und benannten sie nach dem Bär, einem ihrer Seelentiere. Gross und stark wurde er durch den Lauch, den er im Frühling frass. Was den Bären eben bärenstark machte, musste auch für die Menschen gut sein.

Durch den fleissigen Gebrauch der Römer, erhielt der Bärlauch auch den Namen Roman-Salat, römischer Salat. Er war der Göttin Ceres geweiht und man mischte aus ihm einen Liebestrank, der selbst bei angezauberter Impotenz geholfen haben soll.

Heute lässt es sich schwer nachvollziehen, wie ein so heilkräftiges Kraut in Vergessenheit geraten konnte.

Mit seinen Inhaltstoffen reinigt er den Körper von innen und hilft so bei chronischen Hautausschlägen und Flechten. Durch seine hohe Vitalität, verbunden mit Vitamin C, bringt er wintermüde Glieder im Frühling wieder in Schwung. Er hat eine stark bakterizide Wirkung, die sich auf die Darmflora auswirkt, ohne deren nützlichen Bakterien zu zerstören, was vor allen nach einer Antibiotikakur genutzt werden kann. Wie der Knoblauch, wirkt auch der Bärlauch Blutdruck senkend und beeinflusst Arterienverkalkung günstig, resp. hilft sie zu verhindern.

Am wirksamsten ist der Bärlauch wenn er jung und zart ist. Getrocknet verliert er seine Wirkung.

In der Wildkräuterküche ist er so vielseitig einsetzbar, dass man kaum Zeit hat, alle Rezepte auszuprobieren, bevor er wieder verschwunden ist. Via Ernährung lässt sich also lustvollste Heilkunde betreiben.

Bärlauch ist, allen Unkenrufen zum Trotz, auch noch essbar wenn er blüht und absolut nicht giftig. Im Gegenteil; es lassen sich aus Blüten und jungen Früchten, wiederum leckere Speisen zubereiten.

Selbst im Herbst muss man nicht auf ihn verzichten. Wer einen Stand-ort weiss, oder sogar welchen im Garten hat, kann die Zwiebelchen ausgraben. Sie schmecken etwas milder als Knoblauch und sind äusserst schmackhaft.

In meiner Kindheit war Frühling, wenn meine Mutter das erstenmal Ramselenkäsli zum z‘Nacht bereitete. Natürlich nie genug und es gab jedesmal Streit unter uns Kindern, weil alle das Gefühl hatten, zu kurz gekommen zu sein.

 

Rezepte

Ramselenkäsli

Eine Handvoll Bärlauch klein schneiden. Galakäsli mit etwas Rahm verdrücken und den Bärlauch darunter mischen. Mit frischem Brot serviert mein Frühlingslieblingsessen.

 

Kräuterbutter

Butter weich werden lassen. Bärlauchblätter und Zwiebelchen fein hacken mit Meersalz mischen und etwas ziehen lassen. Gut mit der Butter vermengen, Rollen formen und in Alufolie gewickelt einfrieren. Ein Rezept, wie man Bärlauch gut konservieren kann.

 

Bärlauchöl

In eine weithalsige Flasche reichlich Bärlauchblätter geben und mit Olivenöl auffüllen. Drei bis vier Wochen ausziehen lassen und die Blätter zu einem Pesto verarbeiten. Das Öl hat einen etwas säuerlichen Geschmack. Speziell für Salate.

 

Blüten über den Salat streuen oder die letzten fünf Minuten dem Risotto beimischen. Das lässt sich übrigens auch gut mit Schnittlauchblüten machen, oder mit beidem.

 

Schinkenrollen mit Bärlauchzwiebeln

Frischkäse mit Rahm etwas verflüssigen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Bärlauchzwiebelchen klein hacken und darunter mischen. Die Masse auf Schinkenscheiben geben und einrollen. Mit einem Salat eine leckere Vorspeise oder ein kleiner, feiner z’Nacht.

 

Bärlauchtinktur

Bärlauchblätter klein schneiden und mit einem klaren Schnaps übergiessen. Drei Wochen unter gelegentlichem Schütteln ausziehen lassen und ab filtrieren. Dreimal täglich vor dem Essen 10-15 Tropfen in etwas Wasser einnehmen.

 

 

 

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