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  • Judith Degen

Verbascum densiflorum Königskerze


Die Königskerze, der Name sagt’s, ist eine wahrhaft stattliche Pflanze. Bis zu 2m hoch wächst sie in den Himmel. Mit ihren gelben Blütenstengeln ist sie nicht zu übersehen. Einmal in einem Garten angesiedelt, sät sie sich immer wieder aus. Wie bei alle sogenannten Gartenwanderer weiss man nie, wo sie als nächstes auftauchen wird. Jede kahle Stelle im Garten füllt sie mit ihren grossen, filzig weichen Rosetten aus, die sie im ersten Jahr bildet. Erst im zweiten Jahr treibt sie ihren imposanten Blütenstengel. Wie Fackeln stehen sie nun da. Dafür wurde sie früher auch versendet. Man tauchte ihre abgeblühten Stengel in Pech, Harz oder Wachs und benützte sie als Beleuchtung. Karl Heinrich Waggerl schreibt in seinem heiteren Herbarium:

Mit Königskerze ist nicht zu spassen. Unsereiner sollte die Hand davon lassen, obwohl der König doch keine Kerze braucht, die wie ein Talglicht flackert und raucht. Eine Magd hat einmal eine angezunden, wurde aber dann von keinem Prinzen entbunden, sondern hat das Kind nach dem Vater genannt. War Fuhrknecht. Weiter nirgends bekannt

Früh schon wurde die Königskerze zu allerlei Magie verwendet. Den Namen ‚Unholdkraut‘ bekam sie, weil sie so glaubte man, als Amulett getragen, Unholde fernhielt. Beim Wandern sollte man sie bei sich tragen, das verhinderte, dass sich wilde Tiere auf einem stürzen. Um das andere Geschlecht anzuziehen, trägt man die Königskerze bei sich. Unter dem Kopfkissen oder in ein Säcklein eingenäht, soll sie Alpträume verhindern. Als Heilpflanze wird sie seit alters her genutzt. Sie wurde und wird vor allem dort eingesetzt, wo es sich um Erkrankungen der Atemwege handelt, hauptsächlich bei Reizungen und Entzündungen. Offenbar bietet der Blütentee auch Schutz gegen Atemgifte. Das ist vor allem heute von grosser Bedeutung, wo immer mehr Menschen auf die immer höheren Ozonwerte mit Atemproblemen reagieren. Eine weitere Wohltat ist die Pflanze dort, wo es sich um neuralgische Schmerzen handelt und zwar in homöopathischer Form. Sie wird eingesetzt bei Gesichtsneuralgien, Halsentzündungen und Ohrenschmerzen.

Ich selbst machte mehrfach die Erfahrung, dass sich ein gereizter Zahnnerv innert kürzester Zeit wieder beruhigte und sich so das Ziehen des betreffenden Zahnes verhindern liess. Hervorragende Resultate erzielt man offenbar bei knotigen Hämorrhoiden mit Umschlägen der Blätter. Auch bei Harnträufeln soll es Wunder wirken. Wer zu hause eine offene Feuerstelle sein eigen nennt, kann erst noch den feinen Filz, der bei der Verarbeitung zurückbleibt, als Zunder benützen.

Rezepte Königskerzenöl Jeden Tag die frisch aufgeblühten Blüten der Königskerze in ein mit gutem Öl (Olivenöl) gefülltes Glas geben, bis dieses voll ist. Den Auszug an einem warmen Ort stehen lassen und vier Wochen lang täglich schütteln. Gut abfiltern, so dass die feinen Härchen zurückbleiben. Gegen Harnträufeln nehme man 15 Tropfen täglich mit etwas Zucker und das Übel soll verschwinden.

Königskerzensalbe Königskerzenölauszug erwärmen und Bienenwachs im Verhältnis 1:10 darin schmelzen. In Döschen abfüllen und 24 Stunden offen auskühlen lassen. Gut verschlossen aufbewahren. Sind sehr lange haltbar. Zusätzlich zu Königskerzenauflagen bei knotigen Hämorrhoiden anzuwenden.


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