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  • Judith Degen

Capsella bursa-pastoris Hirtentäschchen


Blutkraut, Täschlichrut, Secklichrut, Seckälithör, Seckelibüezer, Bündelichrut, Hungerbrot, Schwinichrut

Das Hirtentäschchen war für mich einst nur ein lästiges Unkraut. Bis ich zum erstenmal den botanischen Namen ‚Capsella bursa-pastoris‘ hörte. Ich war so angetan von diesem Namen, dass mir das Kraut sofort ans Herz gewachsen ist. Etwas, das so schön heisst, kann unmöglich nur ein unnützes Jät sein. Unseren Altvorderen war dieses Allerweltsunkraut schon seit langem als Heilpflanze bekannt. ‘Diss krut ist fast gut den frauwen die ir zyt zu vil haben.‘ Solches liest man in Schriften von 1485. Die blutstillende Eigenschaft des Krautes ist es, die diese Pflanze so wichtig macht. In der Zeit während den Weltkriegen nutze man das Hirtentäschchen als Mutterkornersatz, um Blutungen zu stillen, vor allem bei Gebärenden. Im Kanton Uri riet man Fiebernden das Kraut auf die Füsse zu binden und wollene Socken darüber zu ziehen. So soll das Fieber schon am nächsten Tag verschwunden sein. Zahnenden Kindern band man ein Amulett, aus in rote Seide eingenähten Schöttchen, um den Hals. Waren die Zähne da, warf die Mutter das Amulette über ihre Schulter in ein fliessendes Gewässer. Das sollte die Gesundheit der Zähne erhalten. Das Hirtentäschchen ist eine Pflanze der Frauenheilkunde. Pfarrer Künzle schreibt, sie sei eine herrliche Hilfe für die Frauen im Klimakterium. Aber nicht nur in den Wechseljahren kann sie angewendet werden, sondern auch zur Regulierung einer sehr starken oder schmerzhaften Menstruation. Bruno Vonarburg beschreibt, wie er die Blutung einer Zahnextraktion innert fünf Minuten mit Hirtentäschchentinktur gestillt hat. Natürlich sehr zum Erstaunen des Zahnarztes. Im Mittelalter soll man Mädchen täglich eine Tasse dieses Tees, gesüsst mit Honig, verabreicht haben zur Dämpfung des Geschlechtstriebes. Was bei den Männern die Weinraute war, bewirkte bei den jungen Frauen das ‚Bündelichrut.‘ Hirtentäschel gehört zu den ‚Unkräutern‘, die man an geschützten Standorten, das ganze Jahr hindurch finden kann. Das kommt nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Menuplan zu gute. Der Name ‚Hungerbrot‘ sagt’s. Ist dies Kraut doch ein ausgezeichnetes Wildgemüse, dass in seinem Geschmack an Kohl erinnert. Wie dieser gehört es zur Familie der Kreuzblütler. Die Rosetten lassen sich mit Salat mischen, die gehackten Wurzeln geben Quark und Frischkäse eine angenehme Schärfe, und die Früchtchen kann man über allerlei Gerichte streuen. Wie alle Wildkräuter hat auch das Hirtentäschchen eine grosse Vitalität und ist zudem reich an allerlei wichtigen Inhaltsstoffen wie Proteine, Vitamine und Mineralstoffe.

Rezepte

Hirtentäschchentinktur

Das blühende Kraut klein schneiden, in ein Glas geben und mit klarem Schnaps übergiessen. Bei Zimmertemperatur mindestens 3 Wochen ausziehen lassen. Durch einen Strumpf abgiessen und gut ausdrücken. In kleine Fläschchen füllen. Zur Regulierung der Menstruation kurmässig 3 x täglich 25 Tropfen einnehmen. Nach 6 Wochen eine Pause von 4 Wochen machen und Kur evtl. wiederholen. Bei blutenden Wunden Tinktur auf Tüchlein und auf die Wunde auflegen. Bei wundem Zahnfleisch mit verdünnter Tinktur gurgeln.

Salat Hirtentäschelrosetten mit gleichviel Nüsslisalat mischen und Salatsauce dazugeben. Überstreuen mit kleingehackten Eiern und gerösteten Sonnenblumenkernen.

Hirtentäschel lässt sich gut zu Kräuterquarks, Pestos, Suppen oder Wildspinat beimischen.


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